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Wildkatzennachwuchs in der Wurfbox  (C) Stephanie Flade

Wildkatzennachwuchs in der Wurfbox (C) Stephanie Flade

Nachwuchs bei den Europäischen Wildkatzen im Wildgatter Oberrabenstein

Im Wildgatter Oberrabenstein gibt es erneut erfreuliche Nachrichten: Am 22. März 2026 wurden bei den Europäischen Wildkatzen vier Jungtiere in der Wurfbox der Anlage entdeckt. Inzwischen erkunden die jungen Wildkatzen neugierig das Außengehege.

Nach einer Tragzeit von etwa neun Wochen bringt die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) in einem geschützten Versteck meist drei bis fünf Jungtiere zur Welt. Die Jungen zählen zu den sogenannten Nesthockern und kommen blind zur Welt. Erst nach rund neun Tagen öffnen sie die Augen. Deshalb ist die Chance, die Jungtiere in den ersten Lebenswochen außerhalb der Wurfbox zu entdecken, eher gering.

Da Wildkatzen überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv sind, beginnt ihre Hauptaktivitätszeit meist erst nach Sonnenuntergang. Mit etwas Glück können Besucherinnen und Besucher die jungen Wildkatzen inzwischen aber auch tagsüber auf der Außenanlage beobachten.

Die Europäische Wildkatze wird häufig mit verwilderten Hauskatzen verwechselt, ist jedoch keine Stammform unserer Hauskatzen. Diese stammen ursprünglich von der Afrikanischen Wildkatze, auch Falbkatze genannt, ab. Europäische Wildkatzen sind deutlich kräftiger gebaut als Hauskatzen. Ein ausgewachsener Wildkuder kann bis zu acht Kilogramm wiegen. Typisch ist zudem die buschige, etwa 30 Zentimeter lange Rute mit drei markanten schwarzen Ringen und einer stumpfen schwarzen Spitze.

In den natürlichen Verbreitungsgebieten kann es gelegentlich zu Kreuzungen zwischen Wild- und Hauskatzen kommen. Die daraus entstehenden sogenannten Blendlinge besitzen unter den Bedingungen der freien Wildbahn jedoch meist nur geringe Überlebenschancen.

Artenschutz weiterhin von großer Bedeutung

Die Europäische Wildkatze zählt trotz positiver Entwicklungen weiterhin zu den geschützten und auf Unterstützung angewiesenen heimischen Wildtierarten. Nachdem sie in Deutschland zwischenzeitlich nahezu verschwunden war, konnten sich in den vergangenen Jahren wieder einige Tausend Tiere ansiedeln – auch außerhalb der verbliebenen Kernlebensräume und in weiteren Mittelgebirgsregionen.

Dieser erfreuliche Trend zeigt die Wirkung von konsequenten Artenschutzmaßnahmen. Dennoch ist die Wildkatze weiterhin auf den Schutz und die Wiedervernetzung ihrer Lebensräume angewiesen. Straßenverkehr, Lebensraumverlust und Störungen durch den Menschen stellen nach wie vor große Herausforderungen dar. Hinzu kommt eine hohe Jungensterblichkeit: Nur mit etwas Glück erreicht eines von vier geborenen Jungtieren das Erwachsenenalter. Umso wichtiger bleibt es, geeignete Lebensräume dauerhaft zu sichern und Beeinträchtigungen weiter zu minimieren, damit ehemalige Lebensräume langfristig wiederbesiedelt werden können. Mit erfolgreichen Nachzuchten wie im Wildgatter Oberrabenstein wird ein wichtiger Beitrag zum Erhalt und Schutz dieser heimischen Wildtierart geleistet.

 

Foto: Stephanie Flade